Liebe Familie Weber, man sieht es bereits von weitem, auf eurem Dach befindet sich eine Solaranlage. Wann habt ihr diese in Betrieb genommen und wie viel Strom produziert ihr damit?

Fam. Weber: Seit Juni 2025 produzieren wir unseren eigenen Solarstrom. Die installierte Leistung (DC-Nennleistung) unserer Solaranlage beträgt 16.6 kWp. Wir rechnen mit einer Jahresproduktion von zirka 17’600 kWh im Jahr. 

Die Solaranlage von Familie Weber: 16.6 kWp installierte Leistung auf 73 m2 Dachfläche mit Südost-Ausrichtung (Flachdach mit dem kleineren Anteil der Solarmodule) und Südwest-Ausrichtung (Schrägdach mit dem Grossteil der Solarmodule).

Gut zu wissen: Die Einheit Kilowatt-Peak (kWp) beschreibt die maximale Leistung, die Solarmodule theoretisch (unter Standard-Testbedingungen) erreichen können. Die tatsächliche Leistung hängt unter anderem von den Wetterbedingungen ab, wie zum Beispiel Sonneneinstrahlung und Temperatur.

Die Leistung bemisst, wie viel Strom eure Solaranlage – theoretisch – auf einmal produzieren kann. Wie sieht das in der Praxis aus?

Wenn unsere Solaranlage Strom produziert, dann beansprucht sie dabei selten mehr als 70 Prozent ihrer installierten Leistung. An sonnigen Sommertagen zur Mittagszeit treten die Leistungsspitzen auf, dann werden von den installierten 16.6 kWp bis zu zirka 12 kW genutzt.

Dass selten mehr als 70 Prozent der installierten Leistung beansprucht werden, liegt am hiesigen Wetter und ist typisch für eine Solaranlage in der Schweiz. Kommt es dennoch vor, dass eure Solaranlage mehr Strom produziert als ihr selbst vor Ort verbrauchen könnt? 

Ja, es kommt häufig vor, dass wir den eigenen Solarstrom nicht vollständig vor Ort verbrauchen können und den überschüssigen Strom ins Netz einspeisen.

An sonnigen Sommertagen zur Mittagszeit zum Beispiel? 

Genau. An sonnigen Mittagen kann es sein, dass trotz allen Vorkehrungen, unsere Solaranlage mehr Strom produziert als sämtliche Verbraucher, die mit der Anlage verbunden sind, verbrauchen können.

Ein Sommertag bei Familie Weber bestätigt die Faustregel: Aufgrund des hiesigen Wetters produziert eine Solaranlage in der Schweiz selten mit mehr als 70% ihrer installierten Leistung Strom. Leistungsspitzen treten mittags auf und Familie Weber nutzt diese, um Boiler und Batteriespeicher zu laden.

Welche Verbraucher habt ihr mit eurer Solaranlage verbunden und welche Vorkehrungen habt ihr diesbezüglich getroffen?

Wir haben vier grosse Verbraucher, die allesamt mit dem eigenen Solarstrom betrieben werden: Einen Warmwasser-Boiler, einen 13 kWh Batteriespeicher, eine 11 kW Ladestation für unser E-Auto und eine Wärmepumpe. Wenn überschüssiger Solarstrom zur Verfügung steht, ist dafür gesorgt, dass zuerst der Boiler und daraufhin der Speicher geladen werden. Das passiert stets zur Mittagszeit. Wenn Boiler und Speicher vollgeladen sind und es weiterhin überschüssigen Solarstrom hat, dann – oder auch zwischendurch bei Bedarf – wird der Solarstrom genutzt, um unser E-Auto zu laden.

Wie genau läuft das ab?

Die Steuerung übernimmt unser Energiemanagementsystem. Einmal eingestellt, passieren diese Abläufe automatisch. Wir können die Abläufe jederzeit anpassen oder auch kurzfristig manuell eingreifen, zum Beispiel wenn das E-Auto dringend geladen werden muss.

Den eigenen Stromverbrauch per Klick bequem vom Handy aus steuern. Die meisten Energiemanagementsysteme (EMS) bieten eine App, die das möglich macht. Familie Weber hat so eine EMS-App im Einsatz.

Stromverbrauch im Vergleich

3-Personen-Haushalt, EinfamilienhausStromverbrauch pro Jahr (Schätzwerte)
ohne Wärmepumpe und ohne E-Auto3'500 kWh
mit Wärmepumpe, ohne E-Auto9'000 kWh
mit Wärmepumpe und mit E-Auto samt Ladestation10'700 kWh

Familie Weber ist vollelektrisch unterwegs. Es wird elektrisch geheizt und Auto gefahren. Obenstehende Tabelle zeigt: Ein Haushalt wie jener der Familie Weber verbraucht schätzungsweise dreimal mehr Strom im Jahr als das durchschnittliche, nicht-elektrifizierte drei Personen-Einfamilienhaus. Je mehr die Gebäudetechnik und die Mobilität bei einem Zuhause elektrifiziert werden, umso mehr lohnt es sich den eigenen Solarstrom direkt vor Ort zu nutzen – zum Beispiel um die Wärmepumpe und die E-Auto-Ladestation zu betreiben.

Wusstet ihr, dass ihr eurem örtlichen Verteilnetz mit diesen Optimierungen einen grossen Gefallen tut, indem ihr mithelft, Leistungsspitzen zu reduzieren?

Ja, uns ist bewusst, dass diese Optimierungen auch dem Netz zugutekommen, weil wir so dazu beitragen können, dass an sonnigen Mittagen weniger Strom ins Netz eingespeist wird.

Familie Weber macht's vor: An sonnigen Tagen maximiert sie mittags den Eigenverbrauch und nutzt den Solarstrom direkt vor Ort. Zwar produziert die Anlage mit bis zu 12 kW Strom, dank netzdienlicher Optimierung werden jedoch nie mehr als rund 10 kW vom Verteilnetz für die Einspeisung beansprucht.

Wie seid ihr zu dieser Lösung gekommen? 

Wir haben uns von einem Fachpartner beraten lassen. Um die Wertschöpfung unserer Solaranlage zu optimieren, konzentrieren wir uns auf die grossen Verbraucher und konkret darauf, dass diese weitestmöglich mit dem eigenen Solarstrom betrieben werden. Der eigene Solarstrom ist für uns immer der günstigste Strom. Zudem können wir mit dieser Lösung auch in Zukunft reagieren, wenn es sich lohnt, unseren Stromverbrauch anzupassen.

Zum Beispiel? 

Wenn es in Zukunft neue Preis- und Anreizsysteme geben sollte (zwinkert in Richtung BKW). 

Gibt es weitere Aspekte die euch von der Konstellation aus Solaranlage, Energiemanagementsystem, Batteriespeicher, Ladestation, Boiler und Wärmepumpe überzeugt haben?

Mit dieser Lösung sind wir flexibel. Wir können Einstellungen und Anlagen jederzeit anpassen oder weiter ausbauen. Konkret denken wir derzeit zum Beispiel über eine Vergrösserung des Speichers nach.

Perfekter Fit: Daniel Weber zeigt, wie drei weitere Module für den Batteriespeicher haargenau unter die Decke passen würden.

Habt ihr noch ein Schlusswort oder Appell? 

Ein konkretes Anliegen hätten wir tatsächlich. Ein Appell, an alle Organisationen die Ladeinfrastruktur für E-Autos entwickeln. Es wäre schön, wenn in Zukunft mehr Ladesäulen überdacht und regengeschützt wären. An der Zapfsäule ist dies längst Standard, es darf auch bei Ladestationen Standard sein. 

Vielen Dank für die Gastfreundschaft und die Einblicke in euer Zuhause.

Familie Weber

Zuhause in:
Röschenz, BL
Solaranlage seit:
Juni 2025
Installierte Leistung (PV-Module):
16.6 kWp
Batteriespeicher:
13 kWh
Ladestation (Wallbox):
11 kW
Energiemanagementsystem:
Seit Juni 2025
Wärmepumpe:
Die erste Wärmepumpe wurde 1998 mit dem Hausbau installiert und 2019 ersetzt.